Digitale Souveränität – Digitale Mündigkeit – Digitale Nachhaltigkeit in der Bildungstechnologie

Hand die ein Vorhängeschloss hält über einen Laptop mit Pflanzen im Hintergrund als Symbolbild.

Drei Buzzwords die irgendwie zusammenhängen aber doch unterschiedliche Bedeutungen haben. Es gibt Kongresse und Tagungen, gerade zu digitaler Souveränität aber, wenn man sich die Inhalte dort ansieht kann man schon ins Grübeln kommen. Dabei sind diese Themen eigentlich schon immer wichtig gewesen auch schon bevor sich die politische Lage verkompliziert hat. In vielen Anwendungsfällen haben wir uns auch schon früher oft zähneknirschend damit beschäftigt, wenn es sich um die Einhaltung der DSGVO ging.

Aber zuallererst sollten wir die drei Begriffe mal definieren, damit wir vom selben sprechen.

Digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist ein sehr komplexer Begriff. Aber um es hier nicht zu komplex zu machen, möchte ich ihn folgendermaßen definieren. Es handelt sich dabei, jederzeit sowohl über die Software als auch die darin verwalteten Daten Auskunft zu geben als auch Zugriff haben zu können, ohne von Dritten abhängig zu sein. Dazu kommt noch die Fähigkeit, jederzeit zu sehen, wer sonst noch wie darauf Zugriff nimmt.

Im Kontext der aktuellen Diskussion sprich staatlicher digitaler Souveränität, kann man dies schon schwer werden, wenn wir Dienste aus Amerika nutzen (aber auch anderen Ländern die nicht zur EU gehören). Da der Zugriff wie beim internationalen Strafgerichtshof schnell mal gesperrt werden kann. Nun kann man zwar sagen, dass wir in der Bildungsarbeit nicht so leicht in die Schusslinie geraten könnten, aber wer weiß. Die „Herrschaft“ über unsere Daten ist zwar auch ein wichtiger Punkt und kann unsere Arbeit sehr behindern bzw. auch geschäftskritisch sein, je nachdem, wo wir tätig sind; aber hier haben wir meist mit Backups bereits entsprechend vorgesorgt (hoffentlich 😉)

Für uns im Bildungskontext ist aber eher der zweite Aspekt von großer Bedeutung: zu sehen wer hat noch Zugriff auf die Daten und wie. Gerade in der KI-Ära, in der wir uns befinden, können Daten unserer Teilnehmenden, SchülerInnen, Studierenden, Mitarbeitenden sehr viel Wert und wir tragen hier viel Verantwortung. Wer hat wo und wie lange und mit welchen Erfolg gelernt, egal, ob das Server-Logs sind oder auch unsere Zeugnisse oder Teilnahmebescheinigungen. Diese Daten können gerade in Zukunft sehr wichtig sein gerade für Headhunter aber auch in anderen Kontexten. Wir und auch die Chefetagen vergessen schnell, dass im beruflichen Bildungskontext wir meist eine der wichtigsten Ressourcen des Unternehmens betreuen.

Digitale Mündigkeit

Digitale Mündigkeit heißt vereinfacht gesagt, aussagefähig und entscheidungsfähig zu sein, was digitale Aspekte und Dienste anbelangt. Ich denke das ist die größte Herausforderung meist besonders in der KI-Ära in der nicht mal die Entwickler:innen sagen können warum die KI diese oder jede Antwort liefert. Digitale Mündigkeit erfordert Wissen und Kompetenzen im kritischen Umgang mit digitalen Diensten. Man muss die Folgen für sein Handeln im Digitalen Raum abschätzen können und Verantwortung dafür übernehmen können. Hier sind wir auch dann schnell wieder in der Digitalen Souveränität, kann ich digital mündige Entscheidungen treffen, wenn ich z.B. den Zugriff auf meine wichtigen Daten nicht sicher einschränken kann oder einsehen kann. Wenn ich nicht sagen kann, wo auf der Welt meine wichtigen Daten liegen und was damit passiert? Ich hab hier extra die Daten klassifiziert, denn es kann schon in Ordnung sein, wenn mir die Aspekte egal sind, weil die Daten eben nicht wichtig sind. Aber auch das ist eine mündige Entscheidung. Doch welche Daten sind heutzutage nicht wichtig, wenn sogar der Kassenzettel meines Einkaufs gern von Google oder Payback gekauft werden?

Digitale Nachhaltigkeit

Digitale Nachhaltigkeit unser dritter Begriff den wir uns anschauen wollen. Nun ist Nachhaltigkeit im digitalen Raum schon ein ambivalent sprich mehrdeutig belegter Begriff. Es kann hier, um die Nachhaltigkeit im Bereich Umwelt gehen sprich Green IT, was auch definitiv wichtig ist aber das will ich hier mal ausklammern. Das wäre bestimmt ein eigener Blog Post. Nein es geht mir hier um die Nachhaltigkeit unserer digitalen Investitionen. Die Gelder werden immer knapper und es wird um so wichtiger in meiner Augen vorausschauend mit den Investitionen umzugehen. Das betrifft zum einen die Hardware die wir einkaufen. Hat diese ein „Ablaufdatum“ und wenn ja wann? Es macht einen großen Unterschied, ob ich für mein Gerät 3, 5 oder 8 Jahre Updates erhalte oder wie sieht es mit der Reparaturfähigkeit aus? Wenn man manche Anschaffungen gerade im Schulbereich sich hierbei ansieht kann man nur den Kopf schütteln. Der andere Aspekt ist hier der Software-Aspekt. Bei Geräten kann hier die Frage sein: Was mache ich wenn es keine Updates mehr gibt? Kann ich das Betriebssystem wechseln? Muss ich die Geräte entsorgen? Bin ich z.B. in einem Ökosystem gefangen? Ja Apple ich meine dich!

Es geht aber auch, um unsere andere Software-Infrastruktur. Ein Plan, wie man eine Software auswechselt, in den Ruhestand schickt oder ablöst sollte schon bei der Implementierung mitgedacht werden und kontinuierlich beim Betrieb gepflegt werden. Egal, ob es ein LMS, eine E-Learning Autorensoftware oder ein Elternportal etc. ist.

Wir müssen immer einen Plan haben, wie wir unsere Daten von System A nach B bekommen können, ohne diese zu verlieren oder einen unsinnigen Aufwand betreiben zu müssen. Gerade bei Ausschreibungen ist es daher umso wichtiger, auch diese Aspekte schon mit abzufragen und nicht nur pro forma.

Und schon wieder sind wir bei den Daten gelandet, als wichtigster (nicht einzigen) Punkt in diesen Dreiklang. Dieser Dreiklang sollte bei unserer Auswahl und Nutzung von digitalen Diensten immer eine Grundlage sein.

Fazit

Doch was bedeutet, dass konkret? Das das Thema komplex ist war glaub ich jeden Lesenden zu Beginn an bewusst. Je nachdem, was wir an bildungstechnologischer Lösung suchen müssen wir uns diese Aspekte ansehen und unser Handeln und unsere Entscheidungen danach ausrichten. In vielen Kontexten setze ich gerne auf Open Source Technologie hier, weil diese von Haus aus Souveränität in vielen Bereichen mitbringt. Man muss auch nicht alles selber machen, es gibt im Open-Source-Ökosystem mittlerweile viele Firmen, die Dienstleistungen wie Hosting und Support anbieten.

Auch der Staat hat dies Mittlerweile erkannt, und entwickelt mit OpenDesk seinen ersten Behördendesktop. Wenn jetzt nur noch so viel Geld in das Projekt wie in die Lizenzkosten bestimmter Anbieter fließen würde, könnten wir relativ schnell einen Grad an Souveränität bekommen können der wünschenswert wäre.

Nicht immer werden wir mündige Entscheidungen treffen können, aber dafür haben wir unsere IT Abteilungen, externen Dienstleister oder was manchmal noch hilfreicher und ehrlicher ist das: Fedivers. Es gibt dort viele Personen, die viel Ahnung haben und eben genau aus diesen Gründen, die oben stehen dort aktiv sind.
Wichtig ist: Es gibt keine dummen Fragen!

Wer will kann natürlich auch mich engagieren😁 mehr zu meinen Dienstleistungen finden Sie unter https://openserv.eu und wenn ich nicht helfen kann (auch ich kann nicht in allen Themen mündig sein), dann kann ich evtl. jemand empfehlen. Fragen kostet nix.

Fediverse-Reaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert